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Doppelt gemoppelt - Schabbat in den zehn Geboten
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Valérie Rhein, Dr. theol. in Judaistik
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Herrengrabenweg 50 
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Donnerstag, 9. November 2017, 19:30
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Letzte Änderung
08.10.2017, 12:42
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Breisach 2013

Tagesausflug nach Breisach

WannSonntag, 26. Mai, 09:30 – 16:30 mit Bus ab Lörrach-Grenze.
Was Das "Blaue Haus" in  Breisach, ehemals jüdisches Gemeindehaus
BeschreibungGeführter Tagesausflug nach Breisach, Besichtigung des Blauen Hauses und der Stadt unter kundiger Führung. Gemeinsames Spargelessen in Breisach. Gemeinsame An- und Abreise mit Bus
 

Auf jüdischen Spuren

Unser Tagesausflug nach Breisach „Auf jüdischen Spuren“ vom 26. Mai, war,  trotz schlechten Wetters, aber mit guter Beteiligung, ein voller Erfolg.

Das "Blaue Haus" in  Breisach, das ehemalige jüdisches Gemeindehaus, und der jüdische Teil der Stadt standen im Zentrum. Der „Förderverein Ehemaliges Jüdisches Gemeindehaus e.V.“ erwarb das mehr als 300 Jahre alte Gebäude Mitte 2000. Es ist seit 2003 eine Gedenk- und Bildungsstätte für die Geschichte der Juden am Oberrhein. 

Hauptsächlich dank der kundigen Führung von Frau Dr. Christiane Walesch–Schneller konnte das jüdische Leben beinahe sichtbar gemacht werden. Sie gab uns mit einer engagierten Führung einen guten Einblick in das jüdische Breisach. So kamen wir durch die Rheintorstrasse (Ehemaligen Judengasse) zum heutigen Synagogenplatz, wo bis zum Novemberpogrom 1938 die Synagoge stand. Dort befindet sich heute  ein Mahnmal. Anschliessend ging‘s  zum alten jüdischen Friedhof. Die zerstörten Grabsteine wurden ausgegraben und, soweit wie möglich, wieder aufgestellt. Die teilweise nur noch als Bruchstücke gefundenen Steine wurden zu einem Mosaik zusammengefügt und in einen grossen Gedenkstein einbetoniert. So bleiben sie erhalten und können nicht noch weiter zerstört werden.

Dreimal in siebenhundert Jahren haben Juden in Breisach gelebt, gelitten und gebetet. 1301-1349;   1376-1424;   1638-1940   -----    Was danach kam, „was Auschwitz-Birkenau“ war, wird niemand mehr beschreiben können. Wie soll man den Menschen gerecht werden, die hier zum letzten Mal die Sonne, die Sterne und den Mond gesehen haben.

 Gefreut hat uns, dass Frau Sibylle Höschele später noch zu uns stiess. Sie ist uns von unserem letztjährigen Ausflug  nach Sulzburg in bester Erinnerung. In der Sulzburger Synagoge werden wir unter der Leitung von Chasanit Dr. Annette Böckler, London, den diesjährigen Jom Kippur Gottesdienst zusammen mit Gescher-Freiburg feiern. 

Leider konnte das gemeinsame Spargelessen nicht wie geplant auf der Terrasse, sondern nur „hinter Glas“ stattfinden. Die Aussicht über die Stadt war trotzdem beeindruckend.

Bei der Heimfahrt mit dem Bus konnten wir den Tag mit seinen vielen Eindrücken noch einmal Revue passieren lassen.

 

 

Geschichtliches zur einstigen jüdischen Gemeinde 

Dreimal in siebenhundert Jahren haben Juden in der Stadt gelebt, gelitten und gebetet.

1301-1349

„Smariant  der Jude von Breisach unser Bürger“ und seine Söhne, sein Nachbar Salmann von Bern, Viveli, Löwe und Gutela:  unabgesondert von ihren christlichen Nachbarn wohnten sie dreissig Jahre vor dem gewaltsamen Ende ihrer Gemeinde auf dem Breisacher Berg. Das Deutzer Memorbuch gedenkt des Martyriums der Breisacher Juden im Februar 1349.

1376-1424

Abt Ludwig und der Konvent des Klosters Pairis verkaufen dem „weisen und bescheidenen Juden“ Vivilkind am 1. Februar 1376 für 125 Goldgulden das auf dem Breisacher Berg gelegene Haus zum Löwen, das an der Ostseite der heutigen Radbrunnenallee stand und an den „vicus Leonis“ stieß. Mit Ausnahmen des Juden Chajim, der um die Mitte des 15. Jahrhunderts eine führende Stellung in der vorderösterreichischen  Judenschaft innehatte, scheinen von 1424 bis 1638 keine Juden mehr in Breisach gewohnt zu haben.

1638-1940

Marx Schnatticher, Nathan Ulmo und die Stammväter der Breisacher Familien Günzburger, Geismar und Wormser waren die ersten Juden, die sich nach der Eroberung der habsburgischen Festung Breisach durch den im französischem Sold stehenden Herzog Bernhard von Sachsen-Weimar im Dezember 1638 in der 1648 an Frankreich abgetretenen und erst 1700 an Österreich zurückgegebenen Stadt niederließen. Den Höhepunkt ihres Wachstums erreichte die israelitische Gemeinde in den Jahren 1875-1880, in denen sie 530-560 Seelen zählte.

Was danach kam „was Auschwitz-Birkenau war, wird niemand mehr beschreiben können. Wie soll man den Menschen gerecht werden, die hier zum letzten Mal die Sonne, die Sterne und den Mond gesehen haben.

Das „Blaue Haus“:  Geschichtlicher Hintergrund

Urkundlich wird das Gebäude 1691 als Gaststätte St. Peter nachgewiesen. Es steht im Nordosten der Stadt, wo sich zu der Zeit vermehrt Juden niederließen, denn Breisach war im 18. Jahrhundert eine der größten und bedeutendsten jüdischen Gemeinden Badens und von 1827 bis 1885 Sitz des Bezirksrabbinats. Nach dem Bau der Synagoge in Breisach 1804 wurde im Jahr 1829 das „Blaue Haus“ erworben und zu einer Konfessionsschule umgebaut und als solche von 1835 bis 1876 genutzt. Danach war es jüdisches Armenspital und dann bis zum Holocaust das Gemeindehaus und Wohnung von Kantor Michael Eisemann. Als bei den Novemberpogromen 1938 die Synagoge vernichtet wurde, wurde im Obergeschoss  ein Gebetssaal eingerichtet und konnte für zwei Jahre genutzt werden.  Am 22. Oktober 1940 wurden die letzten 50 Juden in das südwestfranzösische Gurs deportiert. Erst im Jahre 1953 wurde das Gebäude an die rechtmäßigen Besitzer, den Oberrat der Israeliten Badens zurückgegeben. Da sie keine Verwendung dafür hatten, wurde es 1955 an privat verkauft.

Der „Förderverein Ehemaliges Jüdisches Gemeindehaus e.V.“ erwarb das Gebäude Mitte 2000.In den Jahren 2002 bis 2005 haben im Rahmen des Workcamps der Aktion Sühnezeichen Friedensdienste Schüler und Studenten aus mehreren Ländern die Fundamente freigelegt. Dabei stellte sich heraus, dass es Gemäuer des 14. Jahrhunderts sind. Ein Teil der Gewölbe des Kellers ist der Bogen einer Brücke, die über den Stadtgraben zur alten Stadtmauer führte.

Das „Blaue Haus“ in Breisach am Rhein ist seit 2003 eine Gedenk- und Bildungsstätte für die Geschichte der Juden am Oberrhein.

Das mehr als 300 Jahre alte jüdische Schulhaus wurde im Jahr 2000 vom Förderverein Ehemaliges Jüdisches Gemeindehaus Breisach e.V. erworben.